Salutogenese

Hier ein Text, den ich ursprünglich für die Basis AG Gesundheit verfasst habe. Er gibt einen kleinen Einblick in die salutogenetische Denkweise. Nach Absprache gebe ich gern Einführungen in das Rahmenkonzept der Salutogenese und unterstütze dabei, diesen ressourcenorientierten Ansatz in konkrete Umsetzung zu bringen.

WIR.LEBEN.GESUNDHEIT

Anregungen für eine neue Gesundheitskultur

Was bedeutet es eigentlich, gesund zu sein? In der Ottawa Charta zur Gesundheitsförderung hat die WHO im Jahr 1986 Gesundheit als einen Zustand körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens definiert. Menschen sollen demnach nicht nur frei sein von offensichtlicher Krankheit, sondern darüber hinaus ihre Bedürfnisse, Hoffnungen und Wünsche wahrnehmen und selbstbestimmt verwirklichen können.

Wie wir das eigene Leben gestalten und meistern ist aus Sicht einer präventiven Ganzheitsmedizin also enorm bedeutsam für das Erlangen von Gesundheit. Der Medizinsoziologe und Stressforscher Aaron Antonovsky hat aus seinen Beobachtungen heraus das Rahmenkonzept der „Salutogenese“ aufgestellt. Seine Frage „Wodurch entsteht Gesundheit?“ hat ein Umdenken in der Praxis von Heilen und Prävention ins Rollen gebracht. Gesundheit wird demnach nicht als ein statischer Zustand sondern vielmehr als ein sich kontinuierlich in Wandlung befindlicher Prozess betrachtet. Alle Bereiche des persönlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Lebens sind davon berührt.

Salutogenese können wir als eine Art Lebensgestaltungskunst verstehen. Dabei lernen wir uns selbst immer besser kennen und finden unseren Platz in der Welt. Wir entwickeln eine immer klarere Wahrnehmung für unsere ureigenen Werte, Bedürfnisse und Fähigkeiten. Das geschieht insbesondere indem wir uns erlauben, Fragen zu stellen:
Verstehe ich, was in meiner gegenwärtigen Lebens- oder Arbeitssituation bzw. auch in der gesamten Gesellschaft geschieht? Kann ich Einfluss darauf nehmen und gestaltend tätig werden? Was erlebe ich als sinnvoll und bedeutsam für mich? Das neugierige Hinterfragen belebt unseren inneren Kompass und wird zum Wegweiser für unser Handeln. Die eigenen Werte werden bewusster und der Mut wächst, diese Werte auch aktiv und authentisch zu leben. Dadurch entfaltet sich ein Gefühl der Stimmigkeit, auch Kohärenzgefühl genannt.

Mutiger werden bedeutet dann auch zu hinterfragen: Welche Menschen tun mir gut? Wo fühle ich mich aufgehoben und wertgeschätzt? Gesundheit entsteht auf der Grundlage von gelingenden Beziehungen. Menschen brauchen Nähe, Berührung, Vertrauen, Ermutigung und das sichere Gefühl, in einer Gemeinschaft eingebunden zu sein. Das ist so wichtig wie Bewegung, Wasser, Licht und gute Nahrungsmittel.

Aus den Forschungen zur Psychoneuroimmunologie ist bekannt, dass ein stimmiges Lebensgefühl und ein lebendiges soziales Miteinander positiven Einfluss auf das Immunsystem hat und Menschen gesund erhält. Das sollte uns anregen, neue Formen des unterstützenden Miteinanders zu entwickeln und aktiv zu leben. Die gute Nachricht ist: Wir alle können jederzeit dazu beitragen, gesundheitsfördernde Lebenswelten erschaffen. Manchmal genügt schon ein Lächeln, das ich jemandem schenke, um den Alltag zu erhellen. Unsere Körper reagieren sofort auf positive Zuwendung mit der Ausschüttung heilsamer Botenstoffe.

Gesunde Lebenswelten können insbesondere von uns geschaffen werden, indem wir uns auf uralte Heilweisen und gemeinschaftsbildende Aktivitäten rückbesinnen: Singen, Tanzen, Trommeln, gemeinsames Malen und Gestalten. Dazu ist nicht unbedingt ein jahrelanges Training nötig. Jeder Mensch hat diese kreative Potential in sich. Zumeist muss es lediglich neu entdeckt und befreit werden.

Kreative soziale Heilräume sollten in einer zukünftigen Gesellschaft selbstverständlicher Bestandteil einer gesundheits- und gemeinschaftsbildenden Lebenskultur sein. Denn es braucht Gelegenheiten, um an die innere lebendige Ausdruckskraft wieder anknüpfen zu können. Situationen, in denen wir ermutigt werden, uns spontan in einen heilsamen Gemeinschaftsprozess einzubringen. Räume, in denen wir frei sein können von Bewertung und Beurteilung.

In solchen kreativen Sozialräumen entwickelt sich auf natürliche Weise die Fähigkeit der Selbstbestimmung und die Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Persönliche Heilungsprozesse und soziales Miteinander gehen mit gesellschaftlichen Entwicklungen und demokratischer Teilhabe Hand in Hand.  

Hier ein paar Beispiele:

Drum Circle – Trommelkreis

Für die Teilnahme an einem Drum Circle sind grundsätzlich Menschen aller Erfahrungsstufen willkommen. Alle können sich ihren Möglichkeiten entsprechend einbringen und an einer kraftvollen rhythmischen Gemeinschaftserfahrung teilhaben.

Tanztherapie - Authentische Bewegung

Hier werden Menschen ermutigt, die eigene Lebendigkeit und Kreativität zu entfalten. Über den Körper, den Atem, die Bewegung, den stimmlichen Ausdruck.

Klangarbeit – improvisiertes Musizieren – tönendes Atmen

Achtsames Lauschen, Stille und kreativer Ausdruck verbinden sich zu einer heilsamen Erfahrung.

Dialog im Wald – Naturgestaltung, Stille, achtsamer Austausch

Um in einen tiefergehenden Austausch über Erfahrungen und Gefühle zu kommen, ist hier die Einladung zunächst still zu werden, nach innen zu lauschen, zu atmen und sich auf die Formen und Farben der Natur zu besinnen. Möglich ist ein Schweigespaziergang, um dann an einem lauschigen Ort im Kreis zusammen zu kommen. Dort wird mit Fundstücken aus der Natur gemeinsam eine Gestaltung gelegt. Über die Betrachtung der Gestaltung entsteht dann der Austausch, was zumeist als eine sehr tiefgehende, verbindende und klärende Erfahrung erlebt wird.

Miteinander im Kreis

In früheren Zeiten saßen die Menschen im Kreis oder um ein Feuer herum, um Probleme zu lösen oder einfach das Miteinander zu feiern. Das können wir wiederbeleben. Der Kreis ist ein Symbol für gleichberechtigtes Miteinander. Im Kreis können wir Wertschätzung zum Ausdruck bringen, miteinander still werden, Worte austauschen, wir können lachen und singen, einander wahrnehmen, trösten und inspirieren. Eine einfache und wirkungsvolle Möglichkeit, um Kraft zu tanken und ein Gefühl von Zugehörigkeit zu erleben.

Autorin: Ulrike Fahlbusch, info@ulrike-fahlbusch.de